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Konzept Ambulant Betreutes Wohnen

Das Ambulant Betreute Wohnen ist ein am Individuum und dessen Bedarf orientiertes komplementäres Angebot gemäß §§ 53, 54 ff SGB XII i.V.m. § 55 SGB IX als Leistung zur sozialen Eingliederung im Rahmen der Hilfen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft. 
Ziel ist, den betreuten Menschen individuelle Hilfen zu einer weitgehend eigenständigen und selbstbestimmten Lebensführung in der eigenen Wohnung und sozialen Umfeld zu eröffnen und zu erhalten.

Im Ambulant Betreuten Wohnen wird fachlich fundierte aufsuchende Arbeit auf der Grundlage einer tragfähigen Beziehung zwischen Bezugsbetreuer und Betreutem unter Einbezug wichtiger Bezugspersonen geleistet. Es ist ein langfristig konzipiertes und verbindlich vereinbartes ambulantes Hilfeangebot.

Referenzrahmen unserer Konzeption sind die Gemeinsamen Empfehlungen der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen, des Nds. Landkreistages und des Nds. Städtetages zum Ambulant Betreuten Wohnen im Rahmen der Eingliederungshilfe nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG) aus dem Jahre 2002.

Fachlicher Hintergrund unseres Ambulant Betreuten Wohnens ist eine am Verhalten und Erleben des einzelnen Klienten ausgerichtete lebenswelt- und ressourcenorientierte psychosoziale Haltung in der Tätigkeit. Wichtig ist uns eine konkrete Hilfe zur Stabilisierung, Aktivierung und Integration für den Betreuten, so dass dieser soviel Unterstützung wie nötig erhält, zugleich aber in seinen Selbstmanagementfähigkeiten angemessen gestärkt wird. In konsequenten Schritten streben wir die Erfahrung von Erfolgserlebnissen im Sinne eines Empowerment an, um den Betreuten aus seiner passiven Rolle zu einem neuen Selbstverständnis als aktiver Gestalter seines Lebens zu verhelfen. Hierfür ist die Beachtung der individuellen Bedürfnisse und Motive, aber auch notwendiger Entwicklungsschritte und sozialer Anforderungen zentral. Im multiprofessionellen Team aus Sozialarbeitern, Pädagogen, Psychologischen Psychotherapeuten und anderen Fachkräften bemühen wir uns um ein möglichst umfassendes, ganzheitliches Fallverständnis. 

Eine solche Fallstrukturierung ist durch das biopsychosoziale Modell der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO,2006) umfassend und mehrdimensional möglich. 
Funktionale Gesundheit ist hiernach der in der Rehabilitation anzustrebende Zielzustand. Nach der ICF gilt eine Person dann als funktional gesund, wenn vor ihrem gesamten Lebenshintergrund (personbezogene und Umweltfaktoren, die entweder Förderfaktoren oder Barrieren darstellen)

  1. ihre körperlichen, geistigen und seelischen Funktionen allgemein anerkannten Normen entsprechen,
  2. sie all das tut oder tun kann, was von einem Menschen ohne Gesundheitsproblem erwartet wird (Konzept der Aktivitäten), und
  3. sie ihr Dasein in allen Lebensbereichen, die ihr wichtig sind, in der Weise und dem Umfang entfalten kann, wie es von einem Menschen ohne Beeinträchtigung der Funktionen oder Aktivitäten erwartet wird (Konzept der Teilhabe an Lebensbereichen).

Diese systemisch-integrative, rehabilitativ orientierte Perspektive ermöglicht es, Förderfaktoren, Ressourcen und Selbsthilfekräfte in der Person und ihrem sozialen Umfeld zu erkennen und zu stärken, aber auch ungünstige Bedingungen und Barrieren in den Blick zu nehmen und behutsam zu verändern. Zur selbstbestimmten Lebensführung im Alltag gehört auch die Übernahme von Verantwortung und Pflichten. In der Bereitschaft und Fähigkeit dazu soll der Betreute gestärkt werden.

Das Konzept der Teilhabe nach ICF bezieht sich auf den Menschen als Subjekt in Gesellschaft und Umwelt. Teilhabe ist das Einbezogensein einer Person in eine Lebenssituation oder einen Lebensbereich. Das Konzept der Teilhabe ist mit Fragen nach dem Zugang zu Lebensbereichen sowie der Daseinsentfaltung und dem selbstbestimmten Leben und gleichberechtigten Teilhabe verknüpft sowie mit Fragen der Zufriedenheit, der erlebten gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der erlebten Anerkennung und Wertschätzung in den Lebensbereichen, die für die zu betreuende Person von Bedeutung sind. Deshalb ist es wichtig, die Ziele der Eingliederungshilfemaßnahme gemeinsam mit dem zu Betreuenden zu erarbeiten.
Die vertrauensvolle und transparente Zusammenarbeit mit den weiteren Akteuren des Hilfesystems, Kostenträgern und ggf. rechtlichen Betreuern ist uns in unserer Rolle als Komplementärdienst selbstverständlich.

Ausgehend von der individuellen Hilfeplanung streben wir eine Vernetzung von professioneller Hilfe, privater Unterstützung und Nachbarschaftshilfe im Sinne eines „Hilfemix“ an, der für den Menschen mit Behinderung bei effizientem Mitteleinsatz ein weitgehend normales Leben ermöglicht.

Das ausführliche Konzept können Sie zur persönlichen Information downloaden. Bei Fragen und Anregungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Nichts ist so gut, dass es sich nicht noch weiterentwickeln kann.

 

Konzept (pdf)